Ich bin ein Star, holt mich aus dem Entlebuch

Kolumne / Zentralschweiz am Sonntag

Ich gebe es zu: Ich gehöre zu jenen, die sich die debile Sendung «Ich bin ein Star, holt mich hier raus» ab und zu auf einem deutschen Privatsender anschauen. Für diejenigen, welche diese Show nicht kennen und lieber intellektuell anspruchsvollere Formate wie «Bauen und leben mit Lehm» auf dem Sender Arte gucken, dem sei hier kurz das Sendekonzept erklärt: Zwölf abgehalfterte, aber noch immer ziemlich mediengeile Ex-Stars lassen sich für viel Geld, aber wenig Nahrung im australischen Dschungel einsperren. Dabei müssen sie – damit sie mehr zu essen bekommen – sogenannte Dschungel-Prüfungen bestehen. Bei diesen Mutproben werden zum Beispiel Kakerlaken gegessen oder Schweinesperma getrunken. Die Kandidaten können das Camp jederzeit freiwillig verlassen, indem sie den Satz «Ich bin ein Star, holt mich hier raus» sagen oder durch das Zuschauervoting rausgewählt werden. Am Ende bleibt ein Star übrig, der dann noch ein bisschen mehr Geld bekommt als alle anderen. Das ist dann der Dschungelkönig.

Diese Sendung ist durchaus unterhaltsam, und deshalb habe ich mich gefragt, warum nicht schon längst ein Schweizer Privatsender auf die Idee gekommen ist, eine solche Show in der Schweiz abzudrehen. Hier ein mögliches Sendekonzept: Der Schweizer Dschungel, eine Chance für die Zentralschweiz! Gibt es doch in der ganzen Eidgenossenschaft kaum einen Ort, der wilder und unberührter ist als das Entlebucher Unesco-Biospährenreservat. So wirbt dessen Website schliesslich auch mit dem Slogan: «Herzlich Willkommen in einer der schönsten Ferienregionen der Schweiz, in der vieles noch ein bisschen natürlicher ist als sonst irgendwo auf der Welt.»

Hier gibt es Moore, hier gibt es dichte Wälder und – nach umfassender Recherche – sogar giftige Tiere. Neben der Zauneidechse, der Blindschleiche oder der Ringelnatter (alle ungiftig), lebt im Reservat auch die Kreuzotter, deren Biss laut Wikipedia «für Kinder oder alte Menschen gefährlich ist» (man muss den Schweizer Möchtegern-Stars ja nicht unbedingt unter die Nase reiben, dass die Kreuzotter ausserordentlich scheu ist und bei Gefahr sofort die Flucht ergreift). Für das nötige Spektakel bei der berühmten Dschungel- beziehungsweise Biosphärenprüfung wäre also gesorgt. Und da im Kanton Luzern ja bekanntlich mehr Schweine als Menschen leben, wäre es auch kein Problem, entsprechendes Schweinesperma für die Prüfungen aufzutreiben – natürlich bio. Aus der Region für den Star aus der Region, quasi.

Glücklicherweise haben wir zudem den wohl weltweit besten Handwerker im Land. So könnte das Biosphären-Camp von nur einer einzigen Person in nur einem Tagen errichtet werden: Nämlich von Päuli Accola mit seinem Menzi-Muck.

Kommen wir zu den Schweizer Biosphärendschungelbewohnern, besser bekannt als «C-Promis» oder wahlweise auch «Cervelats» genannt. Mögliche Bewohner könnten sein:

Ex-Miss Nadine Vinzenz: Zum einen hätte man so etwas wie Pseudo-Hollywood-Glamour im Camp – Vinzenz versucht (!), in Hollywood Fuss zu fassen. Zum anderen würde sie für die nötige Erotik in der Show sorgen. Uriella: Was macht eigentlich Uriella? Viel zu lange hat man nichts mehr von der Sektenführerin gehört. Sie hätte sicher auch ein Wundermittel gegen Schlangenbisse. Beat Breu. Weil: Beat Breu halt. Piero Esteriore. Es würde keine Woche im Camp vergehen, und wir hätten das erste Show-Pärchen. Esteriore-Vinzenz. Echte Liebe und so.

Ich bin mir sicher, die Show «Ich bin ein Star, holt mich aus dem Entlebuch» würde Rekordquoten erzielen. Spätestens dann, wenn manche Einheimische Uriella mit ihrem weissen Gewand für die gefürchtete «Sträggele»-Hexe halten und sie durch die Entlebucher Moore und Wälder jagen. Das nennt man dann: Entlebucher-Zuschauer-Voting.

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