Mit dem BMW zu Gott

20 Minuten / Hongkong

Wer nach dem Tod nicht auf sein Auto verzichten will, der geht zu Papierkünstler Ping Chi Au Yeung. Er sorgt dafür, dass es den irdischen Luxus auch im Himmel gibt.

Manche Menschen lieben ihr iPhone so sehr, dass sie es mit in den Himmel nehmen wollen. Oder sie können sich ein Leben im Jenseits keinesfalls ohne Highheels vorstellen. In China ist das aber kein Problem. Hier gibt es Männer wie den Papierkünstler Ping Chi Au Yeung, die dafür sorgen, dass die geliebten weltlichen Dinge auch im Paradies ihren Platz finden. In China glauben die Menschen, dass es möglich ist, Gegenstände oder sogar Tiere mit nach drüben zu nehmen.

Au Yeung, 35 Jahre alt, betreibt zusammen mit seinem Vater einen kleinen Laden in Sham Shui Po, einem Stadtteil von Hongkong. Nach dem Tod suchen die Angehörigen ihn auf und lassen Lieblingsstücke des Toten oder auch Haustiere vom Künstler nachbilden. Der Clou: Au Yeung stellt diese Sachen aus Papier her. An der Beerdigung werden sie dann verbrannt und sollen durch den Rauch zusammen mit dem Verstorbenen in den Himmel steigen.

Da wird der liebe Gott aber bisschen erschrecken, wenn plötzlich ein Storm-Trooper vor ihm steht.

Da wird sich der liebe Gott aber bisschen erschrecken, wenn plötzlich ein Storm-Trooper vor ihm steht.

Haushaltshilfe für toten Vater

Laut Au Yeung gibt es fast nichts, was er nicht herstellen kann. «Einmal brachten mir Angehörige sogar Highheels vorbei. Sie wollten nicht, dass die Verstorbene ohne Highheels im Jenseits rumlaufen muss.» Au Yeung bildete die Schuhe aus Papier exakt nach. Ein anderes Mal wollten die Hinterbliebenen ihrem geliebten Vater keinesfalls zumuten, ohne Haushaltshilfe im Himmel klarkommen zu müssen. Also bastelte Au Yeung eine fast lebensgrosse «Maid», wie Haushaltshilfen in Hongkong genannt werden. Aber auch Chicken Wings, ganze Fitnessgeräte oder Hunde samt Hundehütte hätte er schon herstellen müssen.

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Ping Chi Au Yeung in seinem Atelier in einem Arbeiterviertel in Hongkong, China.

Immer wieder müsse er über die Wünsche seiner Kunden schmunzeln. Doch manchmal würden sich hinter den Papier-Kunstwerken auch tragische Geschichten verbergen. Eine ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: «Ein Elternpaar hatte seine erwachsene Tochter verloren. Die beiden haben mich gebeten, ein Hochzeitskleid aus Papier zu kreieren, damit ihr Kind die Chance hat, im Jenseits jemanden heiraten zu können.»

Chinesen, die Upper Class des Jenseits?

Meistens seien die Wünsche aber weniger spektakulär. «In der Regel kaufen die Kunden lediglich ein Papierkleid und Papierschuhe», so Au Yeung. Kostenpunkt: zwei Franken. Spezialanfertigungen gibt es um die 300 Franken. Wer sich im vollgestopften Laden umschaut, kann aber gar nicht glauben, was es alles aus Papier zu kaufen gibt: exakte, jedoch kleinere Nachbildungen von Autos von BMW oder Mercedes-Benz, ganze iPhone-Sets (inklusive Kopfhörer und Ladegerät), Zigarettenpäckchen, Essplatten mit einer Peking-Ente drauf, Zahnreinigungs-Sets. Sollten diese Dinge tatsächlich alle ins Jenseits gelangen, die Chinesen sind dann wohl die Upper Class des Himmels.

Sogar ganze iPhone-Sets lassen mit in den Himmel nehmen.

Sogar ganze iPhone-Sets lassen mit in den Himmel nehmen.

Zumal Au Yeungs Vater seit mittlerweile exakt 50 Jahren den Laden betreibt. Er selber besuchte die Schule für Design, ist seit 10 Jahren im Geschäft tätig und will dieses später mal übernehmen. «Mit meiner Arbeit kann ich den Menschen helfen, besser über den Tod hinwegzukommen», sagt er. Auch wenn er selber nicht ganz sicher ist, ob die Dinge dann tatsächlich im Himmel landen. Er schätzt die Chancen auf ungefähr 50/50. «Wir können das ja nicht überprüfen. Trotzdem gehört es einfach zur chinesischen Kultur.»

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Schlechter Atem über den Wolken? Mit diesem Set ganz sicher nicht.

Er selber möchte jedenfalls auf Nummer sicher gehen und an seiner Beerdigung ebenfalls Sachen verbrennen lassen, die er zumindest im Himmel gern besitzen würde. Fragt man Au Yeung, was er denn nach seinem Tod gern mitnehmen wolle, muss er nicht lange überlegen: «Viele Autos. Sicher einen Porsche und einen Mercedes-Benz.»

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